Insel Ilha Grande

Die mystische wie gleichwohl wunderschöne Insel Ilha Grande kann auf eine recht ungewöhnliche Geschichte zurückblicken. Einst ein wichtiger Zufluchtsort für Piraten und Korsaren, wandelte sie sich im 18. und 19. Jahrhundert immer mehr zu einem bedeutenden Umschlagplatz des Sklavenhandels.

Von ihren atemberaubenden Stränden Palmas oder Dois Rios wurden die angereisten Schiffe, die mit afrikanischen Männern, Frauen und Kindern beladen waren, weiter nach Rio de Janeiro geschickt. Auch nach dem Ende der Sklaverei 1888 konnte die Insel ihren zweifelhaften Ruf nicht entgehen: Eine ausgebrochene Cholera-Epidemie führte dazu, dass die Ilha Grande aufgrund ihrer Abgeschiedenheit zu einer der wichtigsten Quarantäne-Stationen wurde. Ab 1940 wurde im südlich gelegenen Dorf Dois Rios das berüchtigte Gefängnis Cândido Mendes errichtet, von dem heutzutage immer noch die Grundmauern zu besichtigen sind. Besonders während der Militärdiktatur in Brasilien kam es hier zu besonders gewaltvollen Zusammenstößen zwischen den politischen Gefangenen und den Schwerkriminellen. In diesem Rahmen entstand in den 70er Jahren auch die mächtige Verbrecherorganisation, das Comando Vermelho („Rotes Kommando“), das danach nach Rio de Janeiro übersiedelte.

Ihr vermeintlich dunkler Ruf hat die Insel immer wieder ins Abseits gedrängt. Trotz der Sprengung des Gefängnisses 1994 und der Übersiedlung der Häftlinge in andere Gefängnisse konnte bis in die 90er Jahre nur ein geringer Tourismus verzeichnet werden. Dadurch hat die Ilha Grande ihre unberührte Strände und Regenwälder bewahren können, die nun – trotz allmählich aufkeimenden Tourismus- ihre großartige Kulisse bestimmt.